Jahresbrief der Nuclear Free Future Foundation

Es sind erschütternde Zeiten: Der terroristische Überfall der Hamas auf Israel und der Krieg im Gaza-Streifen bestimmen seit dem 7. Oktober die Medien. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine geht mit unverminderter Härte weiter, auch wenn er von den Titelseiten verschwunden ist. Nahezu jeden Tag sterben dort derzeit um die tausend Menschen. Und auf dem Klimagipfel in Doha haben 20 Staaten dazu aufgerufen, die Energieerzeugung aus Atomkraft zu verdreifachen.

20 Staaten haben während des Klimagipfels im Doha in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufgerufen, die Energieerzeugung aus Atomkraft bis zum Jahr 2050 zu verdreifachen. Allen voran Frankreich, Großbritannien und die USA.

Atomkraft ist kein Klimaretter. Atomkraft birgt ein gewaltiges Gefahrenpotenzial. Deshalb ist weltweit keine Versicherung bereit, ein AKW zu versichern. Atomkraft vergrößert die ungelöste Endlagerfrage und zerstört die Lebensgrundlagen in den Regionen, in denen Uran abgebaut wird. Atomkraft ist viel zu teuer, um zur Lösung der Klimakrise etwas beitragen zu können. Jüngstes Beispiel: die Türkei. An der türkischen Riviera soll im Jahr 2024 der erste Meiler des Atomkraftwerks Akkuyu ans Netz gehen. Mit dem türkischen Uranatlas hat unsere Stiftung aufgezeigt, was das heißt: Der russische Staatskonzern Rosatom bekommt pro Kilowattstunde 12,35 Dollar-Cent. Erneuerbare Energien kosten dagegen nur einen Bruchteil, zwischen 1 und 2,9 Dollar-Cent.

Dass Atomkraft gegenüber Erneuerbaren Energien immer mehr an Bedeutung verliert, zeigt auch der Blick auf China, dem einzigen Land der Welt, das noch in größerem Stil Atomkraftwerke baut. Von den weltweit derzeit 61 im Bau befindlichen AKW werden allein 26 in China gebaut. Doch nach Angaben des gerade erschienen World Nuclear Industry Status Report (WNISR) 2023 kommt selbst im diktatorischen China Atomkraft nicht voran: Atomkraftwerke produzierten 2022 395,4 Terrawattstunden Strom – das sind lediglich 5 % des gesamten Stroms in China. Die Erneuerbaren kommen dagegen in China heute bereits auf 15,4 % und dabei ist das große Wasserkraftpotenzial nicht einmal mitgerechnet. Die Windkraftkapazität ist in nur einem Jahr um 11 % und die der Photovoltaik um 28 % gestiegen. „Atomkraft spielt selbst im Land mit den meisten AKW-Neubauprojekten nur noch eine untergeordnete Rolle“, kommentiert Mycle Schneider, der Projektleiter des WNISR, auf Nachfrage gegenüber unserer Stiftung. 2022 sind in China etwa 2,2 GW Atom ans Netz gegangen, aber ca. 125 GW an Wind und Solar.

Etwa 45 Prozent der weltweiten Kernkraftwerkskapazität befinden sich bereits vollständig in staatlichem Besitz. Und fast alle laufenden Bauprojekte werden von öffentlichen Unternehmen durchgeführt und/oder mit öffentlichen Mitteln finanziert. Es sind Steuergelder und öffentliche Mittel, mit denen Atomkraft am Leben gehalten wird. Warum fragt man sich? Die Antwort ist sehr einfach: Es sind Atomwaffen, an denen die großen AKW-Staaten interessiert sind. Und nach Informationen des Friedensforschungsinstitut SIPRI modernisieren derzeit alle Atommächte ihre Atomwaffen-Arsenal. Dafür benötigen sie die sogenannte friedliche Atomkraft.

Mit unserer Aufklärungsbroschüre Uranatlas wollen wir solche Zusammenhänge in immer mehr Sprachen zeigen und dazu beitragen, dass Atomkraft weiter an Boden verliert und die Menschen in den jeweiligen Staaten diesem Irrsinn ein Ende machen.

Wir planen für das Jahr 2024 eine russische Ausgabe des Uranatlas, die auch in den russisch-sprachigen Anrainerstaaten Ukraine und Kasachstan zur Aufklärung beitragen soll. Eine spanische Ausgabe haben wir im Hinterkopf.

Mit unserer webgestützten App „NEXT Generation“ möchten wir unser Anliegen, die Problematik des Atomzeitalters in den Bildungsbereich zu bringen, deutlich voranbringen. Die App basiert auf den Inhalten des Uranatlas und soll vor allem Schüler*innen und junge Menschen spielerisch an die Probleme des Atomzeitalters heranführen. Die App könnte Ende 2024 in einer ersten spielbaren Version fertiggestellt sein.

Die Fortführung unserer Arbeit ist ohne Förderungen, Zuwendungen und auch Ihre Spenden nicht möglich. Die Entwicklung der webbasierten App ist ein sehr kostenaufwendiges Projekt. Von daher bitten wir Sie um eine großzügige Spende.

Mit sehr herzlichen Grüßen, den besten Wünschen für das bevorstehende Weihnachtsfest und einem guten Start ins neue Jahr.

Franz Moll
Frauke Liesenborghs
Dr. Horst Hamm

Foto: Peter Ludwig

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