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Deb Haaland, USA

Kategorie Special Recognition

Deb Haaland, geboren 1960 in Laguna Pueblo im US-amerikanischen Bundesstaat New Mexico, wurde 2018 als eine der ersten indianischen Abgeordneten in den US-Kongress gewählt. Ob Klima, Covid 19 oder soziale Ausbeutung – die Stimme der Demokratin Deb Haaland ist in Washington gut zu hören. Derzeit gehört sie zu den Streitern für eine Erweiterung des Radiation Exposure Compensation Act (RECA) von 2019.

VIDEO: Deb Haaland über ihre Auszeichnung mit dem NFFA

Es gibt Menschen, die können nicht anders. Sehen sie ein Unrecht, schreiten sie ein. Schreiben, schreien, streiten, singen, malen, dichten, vertonen, demonstrieren, mahnen, stellen sich in den Weg. Künstler und Aktivisten sind es vor allem, manchmal schaffen sie es in die Politik. Wie Deb Haaland zum Beispiel.

Sie kommt aus dem Laguna Pueblo im Bundesstaat New Mexico. Pueblos werden die Stammesgemeinschaften auf dem Colorado Plateau genannt, deren traditionelle Wohnform aus mehrstöckigen Lehmbauten besteht. Laguna, gegründet 1699, liegt östlich von Grants, der Stadt, die sich selbst als „Uranium Capital“ bezeichnet, ein Uranium Cafe gibt es dort. Gleich neben dem Laguna Pueblo begann die Firma Anaconda 1952 Uran zu schürfen; das Land hatte man von den Keres sprechenden Laguna gepachtet; von den Gefahren erfuhren die Bewohner nichts. Im Februar 1982 waren die drei Tagebaugruben der Jackpile Mine erschöpft; in den 30 Jahren hatte die Firma Anaconda  400 Millionen Tonnen Gestein bewegt, 25 Millionen davon enthielten ausreichend Uran, um daraus Yellowcake herzustellen. Radioaktiver Staub wurde und wird in dieser Region genauso vom Wüstenwind vor sich her getrieben, wie die für die Landschaft typischen Tumbleweeds.

Deb Haalands Vater war Marineoffizier, in der Navy hatte ihre indianische Mutter ihren norwegisch-stämmigen Mann kennen gelernt; nach ihrem Abschied vom Militär arbeitete sie in indianischen Schulen, die dem Indianerbüro des Innenministeriums (BIA)  unterstanden.

2018 wurde die Demokratin Deb Haaland als eine der ersten indianischen Abgeordneten in den US-Kongress gewählt. Auf ihrer offiziellen Website gibt sie Einblick in ihre frühen Jahre: Als alleinerziehende Mutter lebte sie von Lebensmittelmarken, wohnte oft bei Freunden und schaffte es, an der University of New Mexico und an der UNM Law School einen Abschluss zu erhalten. Deb zahlt immer noch die Darlehen für ihr Studium zurück – wie ihre Tochter Somah. Bevor sie in die Politik ging, war Deb eine Rohkost-Köchin und verkaufte ihr selbst zusammen gestelltes Pueblo Salsa, von dem viele heute noch schwärmen. Bald holte man sie in den Stammesrat.

Ob Klima (dessen Krise die Republikanische Partei ignoriert) oder Covid 19 (Trump hatte 679 Millionen für indianische Corona-Patienten zurück gehalten), ob soziale Ausbeutung (die Taxi-Multis Uber und Lyft verweigern ihren Fahrern Sozial- und Krankenversicherung) oder die Beschneidung des National Monuments Bears Ears in Utah (Trump will Uranlager im Naturpark zugänglich machen), die Stimme Deb Haalands ist in Washington zu hören. „Wir können uns auf sie verlassen“, sagt Anna Rondon, langjährige Kämpferin gegen Uranminen auf dem Navajo-Reservat. Jetzt gehört Deb Haaland zu den Streitern für eine Erweiterung des Radiation Exposure Compensation Act (RECA) von 2019: Die finanzielle Widergutmachung soll auch Uranbergleute nach 1971 mit einbeziehen, ebenso die Trinity Downwinders. Trinity war 1945 der erste Atomtest der Welt – im Land der Mescalero Apachen. Bis heute warten die Nachkommen der verseuchten Opfer auf Widergutmachung.

Die Sorge um die Erde treibt sie um: „Wir müssen die Erde als nachhaltige Wesen zu bewohnen; dazu müssen wir die Richtung unseres Denkens ändern. Wenn wir der Erde etwas nehmen, müssen wir ihr auch etwas zurück geben.“

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