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SZ 13.10.03 -- Auszeichnung für zivilen Ungehorsam

Irakische Wissenschaftlerin erhält "Nuclear-Free Future Award"

Die Aufgabe, die sich Souad Naji Al-Azzawi gestellt hat, ist nicht eben einfach. Und jetzt, da im Irak eine so genannte Nachkriegsordnung aufgebaut werden soll und die US-Truppen noch versuchen das Chaos zu regieren, ist sie sicher nicht leichter geworden. Seit Jahren warnt die 47-jährige Umweltingenieurin aus Bagdad vor ökologischen Folgen und Gesundheitsschäden durch Uran-Munition, die alliierte Streitkräfte schon im ersten Golfkrieg 1991 eingesetzt haben. Jetzt hat die irakische Wissenschaftlerin in München einen der diesjährigen " Nuclear-Free Future Awards" erhalten. Seit 1998 zeichnet eine Münchener Initiative damit ein Engagement " für eine Welt ohne Atomwaffen und Atomenergie" aus.

Dass die amerikanischen und britischen Truppen auch im zweiten Golfkrieg Uran-Munition verwendet haben , gilt als unstrittig - diesmal, so behauptet Al-Azzawi hätten sie sie auch "mitten in Bagdad" eingesetzt. Dabei handelt es sich um besonders durchschlagskräftige Bomben und Granaten, die einen Kern aus radioaktivem Material enthalten.

Dieses vergleichsweise schwach strahlende abgereicherte Uran entsteht als Abfallprodukt bei der Produktion von Kernbrennstoffen. Al-Azzawi hat seit Jahren diese radioaktive Belastung untersucht, die der Irakkrieg im Boden und im Wasser hinterlassen hat. Umstritten aber ist , was die Kontamination anrichtet, etwa der Uranstaub in der Luft oder die Belastung des Trinkwassers. In der Region Basra, die 1991 besonders stark unter Beschuss lag häufen sich zum Beispiel seit ein paar Jahren Krebs- und vor allem Leukämiefälle bei Kindern - für Al - Azzawi ein klarer Fall.

Westliche Wissenschaftler und naturgemäß die Militärs halten dagegen, der Zusammenhang sie nicht nachgewiesen. Trotzdem macht sich die Unep, die Umweltorganisation der Vereinten Nationen, dafür stark, die Frage im Irak weiter zu untersuchen, weil vor allem Langzeit-Daten fehlten.

An Informationen der Militärs, an Genehmigungen und vor allem Geld für die Tests zu kommen, war stets schwierig, angesichts der desolaten Lage im Irak, sei es derzeit schier unmöglich, sagt zumindest Al-Azzawi. Zu Saddams Zeiten hatte die in den USA ausgebildete Ingenieurin Probleme, ihre Ergebnisse im Land zu veröffentlichen. Das Regime wollte keine Unruhe unter der Bevölkerung im Süden. Allenfalles auf internationalen Kongressen konnte sie vortragen - wie jetzt vor den Anti-Atom-Aktivisten in München.

Nicht nur um Aufklärung gehe es bei der Auszeichnung , sagt Initiator Claus Biegert , geehrt werden soll der "zivile Ungehorsam" gegen die Atom- und Militär - Lobby. Den Preis für " Widerstand" etwa bekommen die Dominikanischen- Schwestern Carol Gilbert, Jacki Hudson und Ardeth Platte. Die drei drangen im vergangenen Jahr in ein Atomraketensilo in Colorado ein und protestierten dort. Derzeit verbüßen sie Haftstrafen von bis zu 23 Monaten.

Corbin Harney, ein über 80-jähriger Medizinmann der"Western Shoshone Nation" wird laut Jury ausgezeichnet, weil er mit Zeremonien auf dem Atomwaffentestgelände in Nevada auf die Verwüstung des Landes hinweist, das einst Indianern gehörte. Die Bremer Kernphysikerin Ingrid Schmitz-Feuerhake wurde für ihr Lebenswerk geehrt. Sie gehört zu den atomkritischen Protagonisten im Streit um die Frage, ob sich in der Nähe von Atommeilern Leukämien häuften.




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