Nuclear-Free News


atomfrei denken

Wege in eine Welt
ohne Nuklearwaffen und Atomenergie

Ein Symposium in memoriam
Robert Jungk und Carl Amery



Prof. Klaus Traube
Physiker, Preisträger NFFAward 2000
über den Atomausstieg der Bundesrepublik Deutschland
Freitag 04.11.2005

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Es stand ja zur Debatte, wie die CDU und vor allem Frau Merkel sowohl im Wahlkampf als auch jetzt noch gefordert hatten, dass dieser sogenannte Atomkonsens neu verhandelt wird. Mit diesem Konsens sind wir alle nicht sonderlich einverstanden, aber er ist immer noch besser , als das, was die CDU danach vorgeschlagen hatte, nämlich die Laufzeiten wieder als Infinitum zu verlängern. Das war natürlich Gegenstand der Koalitionsverhandlungen und vorgestern Thema der Arbeitsgruppe Umwelt. In diesem Fall hat sich die SPD, der man ja vieles nachsagt, sehr standhaft verhalten. Das Thema ist als absoluter Dissens ohne Übereinkunft in die Annalen eingegangen.

Es gibt also diese Laufzeitverlängerung nicht, sondern bleibt bei der Gesetzeslage, die es bisher gibt. Davon sollte man sich nicht zu viel versprechen, denn in dieser Legislaturperiode, wenn sie denn vier Jahre dauern sollte, stünde eigentlich erstmalig, nachdem ja bisher nur zwei kleinere, ältere Atomkraftwerke abgeschaltet worden sind - Stade und Obrichheim - eine grössere Abschaltung von vier Kernkraftwerken zur Debatte. Das wäre Biblis A und B, die beiden grossen Meiler in Hessen. Außerdem Neckar-Westheim in Süddeutschland und Brunsbüttel bei Hamburg. Das ist noch mein eigenes Kind aus der Zeit, als für die Atomreaktoren der AEG verantwortlich war. Leider Gottes ist die Situation so, dass es in diesem Atomkonsens, festgeschrieben im Atomausstiegsgesetz, Übertragungsmöglichkeiten gibt. Es ist also, um das in Erinnerung zu rufen, nicht für jedes Atomkraftwerk ein bestimmter Zeitpunkt festgelegt , wann es abzuschalten ist, sondern von dem Augenblick an, an dem das Atomgesetz beschlossen wurde, das war glaube ich Dezember 2001, ist für jedes Atomkraftwerk eine sogenannte Reststrommenge - die Strommenge, die es noch produzieren kann - bestimmt worden. Wie viel ein Atomkraftwerk in einem Jahr produziert ist keine Naturkonstante, sondern hängt auch davon ab, ob es beispielsweise durch Fehler längere Stillstände hat, wie es ausgenutzt worden ist, usw.

Das kann man also nicht genau in Zeit übersetzen, sondern nur ungefähr.

Aber es gibt wie gesagt Übertragungsmöglichkeiten von einem Kernkraftwerk aufs andere und zwar immer nur von älteren Atomkraftwerken auf jüngere. Das hängt damit zusammen, und das ist auch durchaus richtig so, dass der Sicherheitsstandard älterer Kraftwerke in der Regel noch schlechter ist, als der von jüngeren. Mit diesen Übertragungsmöglichkeiten könnten drei der Atomkraftwerke, die jetzt eigentlich abgeschaltet werden sollten, bis in die nächste Legislaturperiode "gerettet" werden, um zu sehen, wie dann die politischen Karten gemischt werden. Das vierte wäre Biblis A, das über die normalen, im Atomgesetz vorgesehenen Möglichkeiten, nicht zu retten wäre, aber da gilt dann wieder eine Ausnahmeregelung, die man auch noch zu einer Übertragungsregelung machen könnte.

Wir wissen nicht, ob im Lauf dieser Legislaturperiode auf einer niedrigen Ebene, bei der es nicht um Gesetzesänderungen geht, sondern um Genehmigungen, die vom Umweltministerium im Einvernehmen mit dem Kanzleramt und dem Wirtschaftsministerium ausgesprochen werden könnten, wirklich auch auf Biblis eine Übertragung gibt. Dann hätten wir mal wieder gar nichts erreicht. Drei Perioden, in denen Atomausstieg dran war, hätten dann nur der Atomwirtschaft genutzt. Die sogenannten Stillhalteabkommen, sollen nämlich dafür sorgen, dass die AKWs gut durchlaufen können und nicht ständig mit Sicherheitsvorschriften belästigt werden. In der nächsten Legislaturperiode wären dann sechs Atomkraftwerke stillzulegen. Das entspricht einem Drittel der Atomkraftwerkskapazität - das Äquivalent von zehn Prozent der Stromerzeugung in Deutschland- und jeder kann sich vorstellen, was es dann für ein Heulen und Zähneklappern gibt. Ich möchte mal die Regierung sehen, die das durchsteht, diese sechs wirklich abzuschalten. Das hätte ich selbst der alten rot-grünen Regierung nicht zugetraut.

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Lorenz Stefan Baur (more coming)




Prof. Klaus Traube
Physiker, Preisträger NFFAward 2000
über Atomwaffen
Freitag 04.11.2005

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Wir haben wieder einmal über amerikanische und russische Atomraketen gesprochen. Das ist natürlich ein wichtiges, aber keinesfalls das einzige und nicht einmal das bedrohlichste Thema.

Es handelt sich hier selbst mit einer Bush Administration im Falle der USA um biedere und politisch relativ stabile Regionen der Welt, ähnlich wie hier in Europa.

Erstmalig jedoch, wird auf der Ebene der hohen Politik der Übergang von der sogenannten friedlichen Nutzung der Kernenergie in die Atombombennutzung am Beispiel von Iran und Nordkorea behandelt. Wenn Länder wie Iran oder Korea die Atombombe in die Hände bekommen, halte ich das für viel bedrohlicher. Diese Meinung habe ich, seit ich mich Mitte der 70er Jahre gegen die Atomkraft ausgesprochen habe, versucht publik zu machen. Dafür habe ich leider in der Anti-Atombewegung keine Resonanz bekommen. Ich führe das darauf zurück, dass ich auf diese Art und Weise als die möglichen Missetäter eben Drittweltländer an den Pranger stelle, und Länder wie die USA, die eher in dieser Rolle gesehen werden "entlaste".

Ich war bis 1975 an führender Stelle in der Atomwirtschaft tätig und dabei verantwortlich für die Siedewasserreaktoren der AEG in Deutschland. Später war ich Chef einer Tocherfirma von Siemens. Das in einer Zeit in der Argentinien und Brasilien Todfeinde waren und eine militärische Auseinandersetzung unmittelbar bevorstand. Obwohl ich nicht direkt mit dem brasilianischen Atomgeschäft zu tun hatte, wurde ich als Teil des Führungskreises der Atomriege bei Siemens Zeuge davon, dass in beiden Ländern zu den Protagonisten der Planung Militärs gehörten. In der Führungsriege war es ein völlig offenes Geheimnis, dass die Atomreaktoren Brasiliens und Argentiniens zwar auch Strom erzeugen, aber gleichzeitig die Grundlage für die Gewinnung von Atomwaffen bieten sollten.

Die Brücke zwischen friedlicher und militärischer Nutzung der Atomenergie besteht aus drei Elementen. An erster Stelle steht das Know-How mit radioaktiven Materialien umzugehen. Zweitens braucht man für die Atomreaktoren, angereichertes Uran, also eine Erhöhung des Anteils spaltbaren Urans, das in der Natur nur 0,7 % des Uranvorkommens ausmacht. Dies ist gleichzeitig die Vorrausetzung für Atombomben aus hochangereichertem Uran. Drittens produziert jeder Reaktor in Betrieb Plutonium, einen Stoff, der so in der Natur nicht existiert. Mit Hilfe einer Wiederaufarbeitungsanlage können die ausgebrannten Elemente aus dem Reaktor zerlegt und das Plutonium gewonnen werden, womit die Möglichkeit Atombomben auf Plutoniumbasis zu bauen gegeben wäre.

Lange Zeit war der Öffentlichkeit nicht bekannt, was für den Eingeweihten völlig klar war, nämlich dass anhand des Baus von Atomreaktoren in Brasilien und Argentinien aufgerüstet wurde.

Das ist aber nicht das einzige Beispiel.

Südafrika, Israel, Indien und Pakistan nutzen alle ebenfalls die Infrastruktur der Atomenergie für den Bau von Atomwaffen. Hier geht es um absolute Krisengebiete mit komplizierten politischen Verhältnissen, die wirklich von dem, was sie sich da zusammengebraut haben, Gebrauch machen könnten. Und es werden bald weitere Länder dazukommen. Das halte ich für eine der grössten Bedrohungen, die überhaupt mit der Atomenergie zusammenhängen, denn die Länder, die diese Technologien einmal in die Hände bekommen, geben sie vorläufig nicht wieder auf.

Jedenfalls nicht ohne eine Vorreiterrolle der Amerikaner und Russen.

Zusätzlich existieren noch weitere gravierende Querverbindungen, die ich für ebenso entscheidend halte.Ich denke da besonders an die Gefahr bewusster Zerstörung von Atomkraftwerken in militärischen Konflikten oder durch Terroristen. Die Summe dieser Gefahren halte ich, und da stehe ich ziemlich allein, für bedrohlicher und wahrscheinlicher als Unfälle alla Tschernobyl. Das Risiko ist natürlich unvermeidbar und es wird eines Tages wieder zu einer Katastrophe kommen , aber ich halte die eben skizzierte Problematik für noch bedrohlicher. Dabei muss man sich auch endlich von politischen Klischees, die einen immer wieder auf den Sündenbock Amerika hinweisen, lösen, um sich das enorme Gefahrenpotential vor Augen zu führen.

Dann kommt man ziemlich schnell zur Einsicht, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als die Atomtechnologie grundsätzlich zu verbannen. Sonst wird es unausweichlich irgendwann zum erneuten Einsatz von Atombomben auf dieser Welt kommen.

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Lorenz Stefan Baur (more coming)




Wolfgang Lohbeck
Abrüstungsexperte Greenpeace
Antwort auf den Standpunkt von Prof. Traube zu Atomwaffen
Freitag 04.11.2005

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Ich bin da in einem Punkt etwas anderer Meinung. Natürlich existiert der Wunsch, die Atomwaffen zu beseitigen. Die kritische Frage ist jedoch, wer die politischen Möglichkeiten hat, damit anzufangen. Also die Frage, ob die Atomwaffen der "Schurkenstaaten" wirklich gefährlicher sind als die, in Händen der Amerikaner. Machthaber wie Kim Song Il in Korea werden hier - im Gegensatz zu Asien- wie zum Beispiel im Spiegel, als "der Irre mit der Bombe" portraitiert.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich halte diesen Mann, oder diese Regimes nicht für Irre.

Sie handeln von ihrem Standpunkt aus voll rational. Egal was man von Ihnen hält, sie haben das Interesse, ihr Regime zu sichern. Sie wollen Sicherheit und wenn man ein bischen in der Geschichte zurückgeht geht, erfährt man, dass es 1994 ein Genfer Rahmenabkommen gab, in dem die Amerikaner unter Clinton Nordkorea sogenannte negative Sicherheitsgarantien gegeben haben.

Das heisst, ein Nichtangriffsangebot gekoppelt an das Zugeständnis Nordkoreas, auf Urannreicherung zu verzichten. Ich weiss, dass es momentan populär ist etwas gegen die Amerikaner zu sagen, aber ich muss es an dieser Stelle trotzdem tun.

Dieser Pakt hat nur gehalten, bis in der neuen nationalen Sicherheitsstrategie der USA Nordkorea im Rahmen der Achse des Bösen namentlich genannt wurde. Die Bush Administration hat sich dann schrittweisen von Ihren Zugeständnissen verabschiedet. Ich bin kein Freund des norkoreanischen Regimes, aber man muss sich in deren Lage hineinversetzen und sehen dass die Koreaner dies als einen Abschied der Zusicherungen verstehen mussten, was sie auch in Form ihrer Rüstungsbeauftragten bestätigten.

Aus meiner Sicht ist der Wunsch das eigene Regime zu sichern, abgesehen von anderen Beweggründen psychologischer Art, wie die Demonstration von Stärke und Macht, durchaus vorhanden und nachvollziehbar. Ähnlich ist die Lage im Iran, wo die Israelische Atombombe schon quasi um die Ecke ist und vor allen Dingen der ganz klar ausgedrückte Wunsch vorhanden ist, diese auch einzusetzen. Der Irak wurde angegriffen, obwohl er die Auflagen zur Abrüstung in den 10 Jahren während des Sanktionsregimes ausgefüllt hatte und alle wussten er hat keine Massenvernichtungswaffen, wie von den UN- Kontrolleuren bewiesen wurde. Das ist doch geradezu eine Aufforderung an andere, egal ob gute oder schlechte Regimes, ihre Existenz mit dem letzten verbleibenden Mittel zu sichern, nämlich der Atomenergie. Das halte ich für sehr verständlich.

Wenn man will das der Iran keine Anreicherungskapazitäten aufbaut, was man ihnen eigentlich nicht verbieten kann, denn das ist vollkommen legitim und legal, dann müssen die stärkeren Staaten, die in der Lage dazu sind, feste Zusicherungen machen und sich auch an diese halten.

Aber das Gegenteil passiert. Der Atomwaffensperrvertrag wurde sozusagen voll vor die Wand gefahren, so dass es ihn substantiell eigentlich kaum noch gibt und damit gezeigt auf welch aggressivem Pfad sich die USA befinden. Ich bin kein Anti-Amerikaner, aber es ist Fakt, dass sie sich aus nahezu allen wichtigen Abrüstungsabkommen verabschiedet haben. Das Biowaffenprotokoll haben sie 2002 in einem absolut konfrontativen Akt 10 Minuten vor Abschluss scheitern lassen, weil sie die Nachprüfbarkeit anzweifelten.

Das Dilemma um die Anerkennung des internationalen Gerichtshofs ist bekannt.

Sie haben die Antipersonenminenkonvention nicht unterzeichnet.

Der ABM Vertrag wurde einseitig gekündigt.

Diese deutliche Weichenstellung in Richtung aggressiver Erstschlagspolitik macht zu gut verständlich, dass auch sogenannte Schurkenstaaten, das Bedürfnis haben sich abzusichern. Wie gesagt, man muss, um das zu verhindern, da anfangen, wo die Möglichkeiten gegeben sind.

Stattdessen bauen die Amerikaner ihre strategischen Langstreckenraketen - entsprechend einem Abkommen mit Russland - zwar auf 1700 bis 2200 Stück ab, zerstören sie aber nicht, sondern lagern sie in "stockpiles". Somit sind sie jederzeit wieder einsetzbar.

"Mini nukes" werden gebaut um wirklich eingesetzt zu werden, nicht zur Abschreckung. Diese Nukes sind aber nicht so "Mini" wie der Name verspricht, sondern haben das 20 -30 fache Potential der Hiroshima Bombe.

Das ist ein verheerendes politisches Zeichen.

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Lorenz Stefan Baur (more coming)




Dr. Sebastian Pflugbeil
Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz
über die IAEO
Freitag 04.11.2005

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Die IAEO hat in ihrem Statut - das kann man im Internet nachlesen - als Hauptaufgabe stehen, die Nutzung der Atomenergie weltweit zu fördern. Dazu gehört, die Atomenergie vor allen Rufschädigungen zu schützen. Das steht nicht im Statut, aber es gehört zum Job. Es gibt zum Beispiel einen Vertrag zwischen der WHO - bei der man sich durchaus denkt, dass es sich um eine ehrenwerte Organisation handelt - und der IAEO, dass in Fragen, in denen es um Strahlenprobleme geht, abgestimmt wird, was an die Öffentlichkeit dringen darf. Die Hosen hat dabei die IAEO an.

Wenn sich also die WHO beispielsweise zu Tschernobyl, Strahlenerkrankungen, dem Risiko von Kernkraftwerken, oder zu Mobiltelefonen äußern will, dann muss vorher in Wien bei der IAEO um Erlaubnis gebeten werden. Wenn diese erteilt ist, dann geht die Veröffentlichung raus, ansonsten eben nicht.

So kommt zu Stande, dass in der Oberschicht dieser UNO Organisationen selbst über die offensichtlichen Katastrophen kein kritisches Wort nach außen dringt. Wenn doch, dann nur sehr verharmlosend.

Um sich auf nächstes Jahr und das wahrscheinlich neu aufkeimende Thema um Tschernobyl vorzubereiten, haben sich IAEO, WHO, die russische, belo-russische und die ukrainische Regierung zusammengesetzt.

Dabei war die die offen ausgesprochene Leitbotschaft von Herrn Repacholi ( WHO ), dass es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe. Die zweite Botschaft lautete, es gäbe keine Strahlenprobleme sondern nur Armutsprobleme. Die Armut müsse man angehen, was ja grundsätzlich nicht falsch ist, aber es steht mit Tschernobyl nicht so direkt im Zusammenhang.

Durch die Presse sind dann die Rechenspiele der IAEO gegangen. Sie hatte angeblich ausgerechnet dass ungefähr 4000 zusätzliche Tote durch die Strahlenbelastung anfallen werden. Die Zahl sei jedoch zu gering, um sie genau nachprüfen zu können. Eine genauere Untersuchung sei deswegen überflüssig.

Ich hab diese Abschätzung von Strahlentoten bis heute genau verfolgt.

Russland hat im August 1984 den ersten Bericht zu Tschernobyl bei der IAEO vorgelegt. Darin waren Zahlen über die betroffene Bevölkerung und die geschätzte Strahlenbelastung angegeben.

Im selben Bericht wurde beides miteinander verknüpft und es ergab sich eine durchschnittliche Strahlendosis pro betroffener Person. Wenn man nun einen Schritt weiter geht und einen Risikofaktor dazumultipliziert, der damals Stand der Konvention war, käme man auf ungefähr 20.000 Krebstote.

Wie gesagt, auf dem Wissensstand von 1986. Fünf Jahre später wurde das Strahlenrisiko schon fünf mal höher eingestuft. Dann bewegen wir uns schon in der Größenordnung um 100.000 - 120.000. Mittlerweile ist die Belastung von den internationalen Gremien nochmal um den Faktor 2 gefährlicher eingestuft worden.

Das ergibt schließlich 200.000 - 250.000 Tote. Die IAEO schreibt dann in ihrem Report von 4000, beruft sich dabei auch noch auf eine Arbeit - die ich mir auch besorgt habe - vom Krebszentrum in Lyon, in der aber über 8000 Tote erwähnt sind.

In der Weltpresse erscheinen natürlich die Zahlen der IAEO.

4000 Opfer über so viele Jahre sind verglichen mit dem Strassenverkehr natürlich vernachlässigbar klein und verdienen somit auch keine weitere Beachtung.

Dazu ist über die Liquidatoren, die zum Aufräumen in Tschernobyl eingesetzt wurden, überhaupt nicht berichtet worden. Da weiß man inzwischen, dass es sich um ungefähr 800.000 Leute handelt. Davon sind die Hälfte mit Name und Adresse bekannt, die anderen sind junge Soldaten gewesen, die danach wieder in in ihre Einsatzgebiete geschickt wurden. Von diesem Rest ist bis auf ein paar Strahlendosen kaum etwas bekannt. Diese unvollständigen Daten wurden in die Bewertung gar nicht mit eingearbeitet.

Über den bekannten Teil äußert man sich nicht, oder gibt an, wie viele davon Selbstmord begangen haben beziehungsweise bei Autounfällen gestorben sind, so dass kaum noch nennenswerte Zahlen übrig bleiben.

Ich war nach diesem Gipfel der UNO Organisationen mit den betroffenen Ländern auch in der Ukraine und habe mich mit den Liquidatoren-Organisationen unterhalten.

In der Ukraine waren aus diesem Personenkreis vor zehn Jahren etwa 1000 Leute komplett arbeitsunfähig. Heute sind es 107000. Auf Grund des breiten Spektrums an gesundheitlichen Problemen wie Kreislauf-, Nerven-, Augenerkrankungen, Kopfschmerzen, oder geschädigten inneren Organen ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, dass Strahlung die Ursache ist.

Deswegen findet die Debatte bei der IAEO gar nicht statt. Die Leute sind dabei völlig außen vor. Die bekommen ein paar Pfennig Rente und weil der Staat nicht genug Geld hat, noch nicht einmal alle.

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