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Die Preisträger des "Nuclear-Free Future Awards 2000" stehen fest
by Annette Meyer zum Felde
Vor 55 Jahren in Hiroshima begann
das Atomzeitalter - nach Ansicht der Initiative "Nuclear-Free Future Award"
eine unvorstellbar lange Zeit für eine "Ära des kollektiven
Irrtums". Die noch junge Initiative für eine atomfreie Zukunft,
gegründet 1998 in München von dem Journalisten und Autor Claus Biegert
und Franz Moll, unterstützt daher mit ihrem Preis weltweit Menschen, die
für das Ende des Atomzeitalters kämpfen. Die Idee für den Preis ist aus dem World Uranium Hearing 1992 in Salzburg entstanden, bei dem Betroffene von Uranabbau, Atomwaffentests und Atommüll (vor allem Ureinwohner) eine Woche lang vor großem internationalen Publikum von der Zerstörung ihrer Kulturen berichtet haben. Damals wurde offensichtlich, wie wichtig die internationale Solidarität ist, um die Isolation der indigenen Völker zu durchbrechen.
Sie sind ausschließlich von den negativen Auswirkungen der Atomenergie
betroffen.
"Der Nuclear-Free Future Award zeichnet Menschen und Initiativen aus, die sich für eine atomfreie Zukunft einsetzen - und zwar genau dann, wenn sie mitten in ihrer schwierigen Arbeit stecken und oft nicht wissen, wie sie überleben sollen", erklärt der Begründer der Initiative Claus Biegert. "Wir honorieren Hartnäckigkeit. Der Preis ist ein Dank für ihre Arbeit, die uns allen und den kommenden Genera-
tionen nutzt." Alle Befürworter einer atomfreien Zukunft seien daher aufgerufen, die Initiative zu unterstützen. Unter dem Motto "'1 Mark am Tag" bittet sie um Spenden, Schüler und Arbeitslose sind mit einer Mark pro Woche dabei.
Der Nuclear-Free Future Award ist in drei Preise unterteilt:
- den Preis für Widerstand, also für den Kampf gegen Atomwaffen
und Atomstrom, beginnend mit dem Abbau des Urans
- den Preis für Lösungen, d. h. für konkrete Alternativen zur
Atomenergie
- und den Preis für Aufklärung, also für die Verbreitung von Informationen, die die Industrie nicht liefert.
Die Preisgelder in Höhe von 10 000,- Dollar sind für die Arbeit der Preisträger bestimmt. Das Münchner Büro der Initiative behält sich vor, zusätzlich einen Ehrenpreis zu vergeben, der nicht mit Geld verbunden ist.
Die internationale 18köpfige Jury hat für das Jahr 2000 folgende Preisträger ausgewählt:
Den Preis für Widerstand erhalten die drei kanadischen Einzelkämpfer Eugene Bourgeois, Normand de la Chevrotiere und Robert McKenzie (Bilder). Ihr Gegner ist kein geringerer als die staatliche Gesellschaft Ontario Hydro, die das größte Atomkraftwerk Nord-Amerikas betreibt, das Bruce Nuclear Power Delopment. Durch die Arbeit der couragierten Preisträger wurde z. B. bekannt, dass Lecks im Kraftwerk das Wasser Ontarios vergiftet haben und die Bevölkerung nicht einmal gewarnt wurde. Jetzt kämpfen sie gegen die Pläne einer Atommülldeponie in der Region des Lake Huron.
Der Gewinner des Aufklärungspreises kann seine Auszeichnung leider nicht mehr selbst in Empfang nehmen: Der Fotograf Yuri I. Kuidin (Bild) aus Kasachstan ist vor wenigen Wochen an den Folgen eines tragischen Unfalls gestorben. Als Galionsfigur der historischen West-Ost-Allianz "Nevada-Semipalatinsk Movement" und Mitglied der internationalen "Atomic Photographers Guild" hat er wie kein anderer das menschliche Leid der Bevölkerung Kasachstans dokumentiert, das die Atomtests der Russen und Chinesen verursacht haben. Den Preis wird an seiner Stelle seine Tochter entgegennehmen.
The Barefoot College of Tilonia (Bild) in Indien erhält den Preis für Lösungen. Die 25 Solarstrom-Ingenieure des Colleges haben erkannt: ohne Erleuchtung keine Bildung in indischen Dörfern. Denn tagsüber müssen die Kinder arbeiten, und abends ist es mit den Kerosinfunzeln zu dunkel zum Lernen. Das Konzept der Ingenieure ist ebenso einfach wie genial. In Kompaktkursen zeigen sie interessierten Dorfbewohnern, wie sie Solarstrom selber handhaben können, und das mit großem Erfolg: Heute haben die sogenannten "Barfußtechniker" (oft Analphabeten) bereits 100 Abendschulen und über 60 Dörfer mit Solarstrom ausgestattet.
Den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhält der deutsche Atomwissenschaftler Klaus Traube, bekannt durch seine außergewöhnliche Biografie. Vom Manager der Atomindustrie entwickelte er sich zu einem ihrer exponiertesten Kritiker. 1976 wurde er Opfer eines Lauschangriffs des Verfassungsschutzes wegen angeblicher Kontakte zur RAF - vollkommen unbegründet, wie sich bald herausstellte. Damals hängte er seinen Job im Atom-Management an den Nagel, veröffentlichte als freiberuflicher Wissenschaftspublizist viele kritische Texte zum Thema Atomstrom und machte sich schließlich auch als Professor für Energiewirtschaft an der Universität Bremen einen Namen. Noch heute im Alter von 72 Jahren ist er ein geschätzter Berater sowohl in akademischen Kreisen als auch in der Anti-Atom-Bewegung.
Die diesjährige Preisverleihung findet am 15. Oktober in Kooperation mit den Nobelpreisträgern von 1985, den "Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs" (IPPNW) im Roten Rathaus von Berlin statt.
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