Nuclear-Free Future Award

Claus Biegert, NFFAward co-founder
Claus Biegert, Gründer

Seit den Siebziger Jahren führt mich meine Arbeit als Journalist immer wieder in das indianische Nordamerika. Dabei wurde ich mit den verheerenden Folgen unserer nuklearen Technologien auf die Ureinwohner konfrontiert: Ob bei dem Abbau von Uran, dem Test von Atomwaffen oder der Lagerung von Strahlenmüll – immer sind es indigene Völker, deren Menschen und deren Land geopfert werden.

Sie werden geopfert, weil wir den Verheißungen des Atomzeitalters bis heute folgen: Weltfrieden durch ein Gleichgewicht des Schreckens, und: Energie ohne Grenzen. So will die industrielle Welt die Zukunft der Erde sichern. Doch Kernwaffen schaffen keinen Frieden, und Kernenergie bedeutet Kulturzerstörung. Erst wenn wir auf die militärische und zivile Nutzung der Kernkraft völlig verzichten, sichern wir die Zukunft.

Wir nehmen Menschenopfer in Kauf und zerstören dabei indigene Kulturen, in denen noch jener Respekt im Umgang mit der Erde erhalten ist, von dem wir uns verabschiedet haben. Doch zu diesem Umgang müssen wir zurück kehren, denn selbst bei einem sofortigen Ausstieg und einer sofortigen Abrüstung werden weltweit die Spuren dieser verhängnisvollen Ära noch weit in die Zukunft hinein eine Erblast darstellen für die Generationen, die nach uns kommen. Wenn wir, die Lebenden, nicht bereit sind, Verantwortung für die Erde und die noch Ungeborenen zu übernehmen, dann setzen wir deren Zukunft und deren Leben bereits jetzt aufs Spiel.

Mit Gleichgesinnten aus allen Erdteilen organisierte ich 1992 in Salzburg das World Uranium Hearing. Hier konnten die Betroffenen ihr Leid und ihre Forderungen erstmals an die an die Weltöffentlichkeit tragen. In diesem Geist will der Nuclear-Free Future Award ein Zeichen setzen. "Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, wird keiner anfangen!" Diese Zeile stand auf einem Flugblatt der "Weißen Rose", der Münchner Widerstandsbewegung gegen das Hitler-Regime. Der Nuclear-Free Future Award – aus der Taufe gehoben von der Münchner Franz-Moll-Stiftung für die kommenden Generationen – ehrt seit 1998 Menschen und Initiativen, die nicht warten, bis andere Widerstand leisten, und die das Schweigen der Medien durchbrechen, um einer Welt ohne Atomenergie und Atomwaffen die Tür zu öffnen.

Das Atomzeitalter ist kein Naturereignis. Es wurde von uns Menschen begonnen, nur von uns Menschen kann es auch wieder beendet werden.

Claus Biegert
München, Juli 2007

Franz Moll, NFFAward co-founder
Franz Moll, Gründer

In den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts protestierte ich als Student gegen die Aufrüstung der deutschen Bundeswehr mit Atomwaffen. Damals verteilten wir Flugblätter von Albert Einstein und Albert Schweizter. Der damalige Verteidigungsminister F.J. Strauß konnte seine Atomwaffenpläne nicht durchsetzen, aber Deutschland entschied sich für die zivile Nutzung der Kerntechnik.

Im Lauf der Jahre wuchs mein Unbehagen – einerseits wegen der Unmöglichkeit, den Atommüll zu entsorgen, andererseits wegen des sogenannten Restrisikos. Tschernobyl gab den Ausschlag; jetzt entschloss ich mich zu handeln. Als ich vom World Uranium Hearing in Salzburg hörte, nahm ich mit Claus Biegert Kontakt auf. Wir entwickelten die Idee, einen internationalen Preis ins Leben zu rufen, den Nuclear-Free Future Award. Zu diesem Zweck gründete ich 1998 die "Franz-Moll-Stiftung für die kommenden Generationen". Die Stiftung wurde mit dem für Stiftungen vorgeschriebenen Mindestvermögen von DM 100.000,- ausgestattet und finanziert sich durch jährlich einzuwerbende Spenden. Mit dem Preisgeld fördern wir erfolgreiche Projekte; gleichzeitig machen wir die Öffentlichkeit auf die Gefahren der Atomtechnik und die durch sie verursachten irreversiblen Schäden aufmerksam.

In einer radioaktiv verstrahlten Biosphäre wird jedes Leben zum Siechtum. "Wer legt Grenzwerte fest, wer ist überhaupt berechtigt, Grenzwerte festzulegen?" fragte Albert Schweitzer. Und sein Zeitgenosse Romano Guardini erkannte:
–In Wissenschaft und Technik geht es weder um Nutzen noch um Wohlfahrt für den Menschen, sondern um Herrschaft, um eine Herrschaft, die nach den Elementen der Natur, wie nach denen des Menschendaseins greift.
–Durch diese neue Gefahr, die aus der Kultur selbst kommt, wird der Mensch am Rande einer sein ganzes Dasein betreffenden, immer stärker anwachsenden Bedrohung leben.
–Der Mensch hat noch keine Macht über seine eigene Macht.

Die Stiftung soll dieser Fehlentwicklung entgegenwirken und zwar im Sinne der Verfassung des indianischen Völkerbundes der Irokesen: Jedes menschliche Tun und Lassen ist daran zu messen, ob es dem Leben der 7. Generation nach uns nützt oder schadet.

Die Stiftung und der Preis, den sie auslobt, sollen dazu beitragen, den notwendigen Paradigmenwechsel herbeizuführen: Macht über unsere eigene Macht gewinnen. "Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." (Albert Einstein)

Franz Moll
München, Juli 2007

Marion Pancur, Wolfgang Heuss, Uwe Peters, Claus Biegert, Jutta Wiesenthal, Lorenz Baur, Franz Moll, Craig Reishus Team Nuclear-Free Future Award: Marion Pancur, Wolfgang Heuss, Uwe Peters, Claus Biegert, Jutta Wiesenthal, Lorenz Baur, Franz Moll, Craig Reishus.
Abwesend: Arnika Kreutzer, Stefan Liedke, Claus-Peter Lieckfeld, Tjan Zaotschnaya.



Was kann ich tun?

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