1999 Nuclear-Free Future Award

Ein Anti-Atom-Wochenende im Indianerland

Die 2. Preisverleihung des Nuclear-Free Future Award am 25./26. September in New Mexico

Claus Biegert's Introductory Remarks





Die Nuclear-Free Future Award Preisträger 1999 sind:
Widerstand: Grace Thorpe und Dorothy Purley
Aufklärung: Lydia Popova
Lösungen: Ursula und Michael Sladek / Schönau
Lebenswerk: Stewart Udall

Ein Anti-Atom-Wochenende im Norden New Mexicos bildete den Rahmen für die 2. Preisverleihung des Nuclear-Free Future Award. Schauplatz am Samstag, den 25. September 1999 war das Powwow-Gelände des Pojoaque Pueblo, nördlich von Santa Fe. Als Gastgeber traten Tewa Women United auf,. eine Gruppe, in der sich jene Frauen der Tewa sprechenden Pueblos zusammengeschlossen haben, die einer Ausweitung der nuklearen Gefahr vor Ort entgegen treten. Zum dritten Mal luden sie ein zu ihrem Honor Mother Earth Gathering, bei dem besonders die indianische Jugend zu Wort kam.

Der Tag begann mit einer Zeremonie zum Sonnenaufgang auf einem Plateau nahe dem präkolumbianischen Ruine von Tsunkawi. Corbin Harney, spiritueller Führer der Western Shoshone, leitete das Ritual. Danach begann der Lauf:"The Circle to Change the Heart of the Beast - A Sacred Run Around Los Alamos. Sechs Läufer umrundeten die Los Alamos National Laboratories. Los Alamos ist die Geburtsstätte des Atomzeitalters: Hier wurde im Rahmen des geheimen Manhattan-Projekts, unter der Leitung von Robert Oppenheimer, 1945 die erste Atombombe gebaut. Noch heute werden in den Los Alamos National Laboratories Nuklearwaffen entwickelt. Die Läufer legten in indianischer Tradition eine imaginäre Schlinge um die Labors, um auf spiritueller Ebene eine Transformation zu bewirken.

Der Tag auf dem Gelände des Pojoaque Pueblo war nicht dem Beklagen des Elends nuklearer Verwüstungen gewidmet, sondern beschwor vielmehr das Ende des Atomzeitalters und feierte den Beginn der post-atomaren Ära. Indianische Künstler boten Töpferwaren und Perlenarbeiten an; lokale Geschichtenerzähler werden sich abwechseln mit Betroffenen aus Uranabbau- und Atomtestgebieten; dazwischen Tänzer in der Tradition der Azteken und Musiker aus allen Himmelstichtungen, darunter "Ulali", ein Vokal-Trio indianischer Frauen, das in den USA derzeit von sich reden macht, und die kanadische Folksängerin Buffy Sainte-Marie; ihnen zur Seite standen Arlo Guthrie, David Amram und Liam O'Moanlai.

Der Tag endete mit einem gemeinsamen Essen und einem Konzert aller Musiker, bei dem die Preisträger und die Läufer im "familiären" Kreis geehrt werden. Es waren Dorothy Purley von Laguna Pueblo und Grace Thorpe, Sac & Fox Nation in Oklahoma (Widerstand), Lydia Popova aus Russland (Aufklärung), Michael und Ursula Sladek aus Schönau im Schwarzwald (Lösungen) und Stewart Udall, ehemaliger US-Innenminister (Ehrenpreis für Lebenswerk).

Sonntag, der 26. September begann mit einer Sonnenaufgangszeremonie am Ashley Pond, einem Teich im Zentrum von Los Alamos.Dabei wurde Anvanyu gedacht: die Wasserschlange, Hüterin des Wassers als Kraft allen Lebens, ist eine zentrale Figur der Tewa Mythologie (siehe Felsbild oben) und ist am Rande des Ortes in einen heiligen Felsen der Tewa eingemeißelt. Hinter dem Felsen beginnt "Area G", die Halde für toxischen und radioaktiven Müll der Los Alamos National Laboratories. Die Region ist abgesperrt; den Tewa ist es verboten, ihre zeremonielle Stätte aufzusuchen.

In der historischen Fuller Lodge - dem einzigen Gebäude, das in den Vierziger Jahren stand, bevor die Armee das Areal besetzte - begann um 11.00 Uhr die Preisverleihung. Der Festakt wurde eröffnet von Corbin Harney, dem spirituellen Ältestenm der Western Shoshone, auf deren Land die USA Ende der vierziger Jahre in Nevada ihre größtes Atomtestgelände anlegte. "Wir sind", sagen die Shoshone heute, "die meist bebombte Nation der Erde"., Die Preis wurden von namhaften Künstlern und Wissenschaftlern überreicht, die auch jeweils die Laudatio hielten: Simon Ortiz, N. Scott Momaday, Joseph Weizenbaum, Karl Grossman, Buffy Sainte-Marie. Unter den Gästen befand sich auch Peter Oppenheimer, der Sohn des Atomphysikers.

Der Komponist und Saxophonist Peter Gordon erinnerte in metalliger, einschneidender Präzision an die Geschichte des Ortes. Peter Gordon gehörte neben dem Regisseur Goodfrey Reggio und dem Bäcker und Aktivisten Willem Malten auch zu dem Team, deren Los Alamos-Film "Cry at the End of the 20th Century" nach dem Lunch uraufgeführt wurde.

Dem Film folgte eine Podiumsdisskussion mit indianischem Titel: "For the Seventh Generation". In der Verfassung der Haudenosaunee (Irokesen) muß ein Häuptling beim Antritt seines Amtes das Gelübde ablegen, in seiner Amtszeit immer das Wohlergehen der kommenden Generationen im Auge zu haben. Im Frühjahr 1999 waren die Los Alamos National Laboratories mit einer Hochglanzbroschüre an die Öffentlichkeit getreten, die "For the Seventh Generation" betitelt war. Wir fassten dies als Aufforderung zum Dialog auf und hatten Vertreter der Labors eingeladen, mit Indianern die Verantwortung gegenüber den kommenden sieben Generationen zu diskutieren. Ein leerer Stuhl symbolisierte die Abwesenheit der Wissenschaftler. Fünf Wochen lang hatten wir versucht, zumindest einen Gesprächspartner zu finden.

Priscilla Vigil, Älteste von Tesuque Pueblo, sprach das Abschlußgebet.




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