2007 Nuclear-Free Future Lifetime Achievement Award
Freda Meissner-Blau, Austria
Der aufrechte Gang. Sollte man ihn bebildern, dann
böte sich Freda Meissner-Blau an. So wie sie geht, geht
sie mit Widrigkeiten um. Von unserer Jurorin Christine
von Weizsäcker stammt eine Charakter isierung Fredas,
die bereits alle nötigen Zutaten für ein Porträt enthält:
»Wie leicht verkommt Schönheit zu gazettentauglichen
Posen, rutscht Eigenwilligkeit in Absonderlichkeit ab,
werden Kontaktfähigkeit und Eloquenz zur Manipu -
lation s waffe, endet Welter fahrenheit in Zynismus, er -
schöpft sich ein geistreicher Mensch in eitlen Geist -
reicheleien, führt Natur verbundenheit zu
Menschenvergessenheit oder gar Menschenverachtung.
Du bist, als Reichbegabte, den entsprechend reichlich
vorhandenen Gefährdungen nicht erlegen.«
Freda Meissner-Blau wurde am 11. März 1927
als jüngstes von vier Kindern in Dresden und wuchs in
einer Atmosphäre von Liberalität, Kunst- und
Naturliebe auf. Dass ihr Vater wegen seiner Veröffent -
lichungen gegen das Nazi-Regime als „Staatsfeind« auf
der Gestapoliste stand und nach England emigrieren
musste, dass Freunde und Verwandte im Krieg starben,
und dass sie die Feuernacht in Dresden miterlebte, dass
sie in Belgisch-Kongo der 50er Jahre Zeugin des
Widerstand gegen die Kolonialmacht war, ließen in ihr
den Entschluss keimen, sich für eine friedliche und
gerechte Welt einzusetzen.
Misstrauen gegenüber der Atomindustrie wuchs
in ihr seit den 50er Jahren und gipfelte im Widerstand
gegen das Atomkraftwerks Zwentendorf im Jahre 1978.
Stefan Micko, Wolfgang Pekny und Peter Weish
gehörten zu dieser Front ebenso wie Fredas Lebens -
partner Paul Blau. Kanzler Bruno Kreisky reagierte mit
einer Volksabstimmung, die am 5. November 1987 mit
einem knappen Sieg der Atomkraftwerksgegner (50,5
Prozent Nein-Stimmen) endete. Das Parlament beschloss
ein »Atomsperrgesetz«, das die Nutzung der Kernkraft
zur Energieversorgung verbot. Dieser Sieg gab ihr den
Schwung, 1986 für die Grünen als Präsidentschafts -
kandidatin durch die Lande zu ziehen.
Für Freda Meissner-Blau ist der Kampf gegen
die Nuklearindustrie immer Teil einer grundsätzlichen
Veränderung: »Die Chimäre ständigen Wirtschafts -
wachstums in einer endlichen Welt wird immer noch von
Regierungen, Bürokraten und Nationalökonomen
verfolgt. Ihre Logik ist die Logik des Geldes....Doch
Geld ist nicht die Währung der Natur. Es kann nie den
Wert des Lebens bemessen. Unsere Zivilisation wird nur
überleben, wenn vormarktwirtschaftliche Ethik und
Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft wieder
Kategorien wirtschaftlichen und politischen Handelns
werden.«
Auf dem World Uranium Hearing 1992 gehörte
Freda Meissner-Blau zu denen, die die Menschen aus
aller Welt zusammenhielten und mit Mut füllten. Für uns
ist es ein großes Bedürfnis, ihr zu danken.
–Claus Biegert
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