Nuclear-Free News
Prof. Asaf Durakovic, USA

Asaf Durakovic

2004 Nuclear-Free Future Education/Aufklärung Award

Mit Agent Orange verschaffte die amerikanische Luftwaffe im Vietnamkrieg ihren Bombern freie Bodensicht. Die verheerenden Spätwirkungen des dioxinhaltigen Entlaubungsmittels - verwüstete Landstriche, Missbildungen bei Mensch und Tier - wurden verschwiegen, abgestritten, günstigstenfalls verharmlost. Nun, so scheint es, hat Agent Orange einen Nachfolger gefunden: DU - Depleted Uranium (U-238).

In beiden Golfkriegen, in Ex-Jugoslawien und wahrscheinlich auch in Afghanistan setzte das amerikanische Militär DU-gehärtete Munition ein. DU ist ein Abfallprodukt aus der Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke - Atommüll, der in großen Mengen anfällt und entsorgt werden muss. Geschosse, die mit dem extrem dichten Material gehärtete sind, können ohne Schwierigkeiten Gebäude und Panzer durchdringen. Außerdem entzündet sich die Munition beim Aufprall explosionsartig, so dass sich radioaktiver und toxischer Staub über die Umgebung legt. Vor allem im südlichen Irak stößt man auf Kriegsgerät und Gebäude, die mit DU-Munition zerstört wurden. Die verheerenden Spätwirkungen der radioaktiven Niedrigstrahlung - insbesondere Schilddrüsenkrebs, vor allem bei Kindern - werden bis heute verschwiegen, abgestritten, günstigstenfalls verharmlost.

Einer der Vorkämpfer gegen das Verschweigen ist der amerikanische Nuklearmediziner Prof. Dr. Asaf Durakovic, der als Radiologe und Fachmann für Strahlungsschäden seit Jahrzehnten internationalen Ruf genießt. Seit 1988 zog das Pentagon ihn als Experten zu Rate, im ersten Golfkrieg war er als Stabsarzt dabei. Danach untersuchte er als Leiter der Nuklearabteilung eines Armeekrankenhauses bei Washington Soldaten, um dem zunächst mysteriösen "Golfkriegs-Syndrom" auf die Spur zu kommen. Als er bei der Hälfte von ihnen DU und bei einigen sogar Plutonium im Körper feststellte, legte man ihm nahe, in andere Richtungen zu forschen. Er ließ sich nicht beirren, musste aber feststellen, dass Krankenakten und Labortests verschwanden. 1997 setzte das Pentagon ihn ab.

Damals diagnostizierte Prof. Durakovics eine "Verschwörung gegen amerikanische Kriegsheimkehrer" und gründete mit Gleichgesinnten das Uranium Medical Research Center (www.UMCR.net). Seit 2002 unterhält das UMCR u.a. zwei Forschungsteams in Afghanistan. Erste Befunde aus Urin- und Bodenproben deuten darauf hin, dass das amerikanische Militär in Afghanistan statt abgereichertem Uran natürliches Uran zur Munitionsveredelung eingesetzt hat. Ein neues Täuschungsmanöver, weil man befürchtet, dass sich der Zusammenhang zwischen DU-Munition und schweren Gesundheitsschäden auf die Dauer doch nicht vertuschen lässt? Angesichts dieser und anderer Befunde aus jüngster Zeit - 2001 wollte die Weltgesundheitsorganisation WHO im Irak DU-Auswirkungen vor Ort untersuchen, wurde aber auf Druck der USA von der UNO zurückgepfiffen - hat Durakovic seine Diagnose ausgeweitet: "Eine internationale Verschwörung gegen Kriegsopfer unter Zivilisten - vor allem unter Kindern".

Die heimlichen Nuklearwaffen sind auf dem Vormarsch, die für zivile Nutzung der Kernenergie zuständige Wiener IAEA hilft bei der Verschleierung dieser Entwicklung, und die internationalen Medien halten sich bei der Berichterstattung sträflich zurück. Wie 2003, als die irakische Geologin Dr. Souad Al-Azzawi ausgezeichnet wurde, ehrt die Jury des Nuclear-Free Future Award mit dem Preis für Aufklärung einen Wissenschaftler, der sich der Vertuschung der verheerenden Auswirkungen von DU-Waffen hartnäckig und unerschrocken widersetzt.

--Wolfgang Heuss

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