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Jonathan Schell, USA
Robert del Tredici Laudatio
Seine journalistischen Sporen verdiente sich Jonathan Schell im Vietnamkrieg. Dann richtete er den Blick auf den Kalten Krieg und fand in der Atombombe ein Thema, in welches er sich verbissen hat wie ein Krokodil. Er lässt einfach nicht mehr los. Wie kaum ein anderer begreift er, dass die Bombe dem Geist der absoluten Vernichtung entsprungen ist. In Büchern wie Das Schicksal der Erde, Die Abschaffung. Wege aus der atomaren Bedrohung und The Gift of Time hat er die Denkweise dekonstruiert, die uns abschreckungssüchtig werden ließ. Und er kam zu einem kompromisslosen Schluss:
Schafft die Bombe ab!
Heute wird er mit dem Nuclear-Free Future Award ausgezeichnet, nicht in der Kategorie "Aufklärung", sondern für "Lösungen". Das macht Sinn, denn er hat während einer langen, leidenschaftlichen publizistischen Laufbahn eine These formuliert, die mir ähnlich fundamental und nützlich erscheint wie die entscheidende These der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung: "Alle Menschen sind gleich geschaffen" - eine Wahrheit, die freilich mittlerweile zum bloßen Lippenbekenntnis verkommen ist. Schells These dagegen hat im Lauf der Zeit an Bedeutung noch gewonnen. Er sagt:
"Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg."
Dieser Satz hat zwei Seiten, eine individuelle und eine kollektive. Einerseits muss jeder von uns, der den Weg des Engagements eingeschlagen hat, seinen Weg durch die Steilwand der nuklearen Welt alleine finden. Andererseits gibt es einen kollektiven Aspekt, und in The Unconquerable World hat Jonathan gezeigt und die Belege dafür gesammelt, dass auch in den modernen Nationalstaaten der kollektive Wille des Volkes Entscheidungen herbeiführen und durchsetzen kann. Im Widerstand gegen Tyrannen und Imperien wurden schon einige scheinbar unerschütterliche Mächte gestürzt.
Wir überreichen Jonathan diesen Preis im Bewusstsein, dass uns eine Zeit der Finsternis bevorstehen könnte. Die Krisen der Gegenwart sind so tief, dass sie bereits die Grundlagen unseres Idealismus bedrohen und unsere demokratischen Freiheiten im Kern gefährden, in ihrem genetischen Code.
Ein Schlüssel zum Überleben liegt in einer Wahrheit, die Jonathan Schell seit langem mit klaren Worten verkündet:
"Halb schlafend haben wir uns irgendwie an Bedingungen gewöhnt, unter denen eine neue Tyrannei heranblühen kann. Doch wenn wir es nur wirklich wollen, können wir etwas dagegen tun, auch wenn unsere Chancen anscheinend minimal sind. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!"
Und solange wir Jonathan Schell haben, haben wir eine stetige Fackel der Inspiration, die uns den Weg weist.
Robert del Tredici, Atomic Photographers Guild
Übersetzung: Wolfgang Heuss
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