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Rede von Bürgermeister Akiba in Salzburg

Charmaine White Face, Mayor Tadatoshi Akiba und Freda Meissner-Blau
Es ist mir eine Ehre und ein Privileg, im Namen aller 1793 Mitglieder der Bürgermeister für den Frieden der Franz-Moll Stiftung dafür zu danken, dass Sie mit diesem bedeutsamen Preis unsere Anstrengungen würdigen. Sie fördern damit mehr, als Sie überhaupt vermuten können, unsere Initiative in einer besonders kritischen Phase.
Ich hoffe, es ist angemessen, einen weiteren wichtigen Preis zu erwähnen, der vor kurzem den Beifall der Weltöffentlichkeit erhielt: Der Friedensnobelpreis für Al Gore und den Weltklimarat.
Dieser Friedensnobelpreis ist wichtig, weil die Welt verstehen muss, dass die Erderwärmung ein ernstes Problem ist, mit dem sich die ganze Menschheit unverzüglich befassen muss. Die globale Erderwärmung ist eine relativ einfache wissenschaftliche Tatsache. Es gibt darüber keine Meinungsverschiedenheiten unter angesehenen Wissenschaftlern. Nichtsdestoweniger haben sogar in einem solchen Fall, einem Fall, bei dem die Wissenschaftler mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen das letzte Wort haben sollten, so viele Regierungen weltweit im Verbund mit den gewaltigen Interessengruppen der Energieindustrie und der Wirtschaft versuchen, zu vertuschen, zu verbiegen und was auch immer für Mittel zu ihrer Verfügung stehen, zu benützen, um die Wahrheit daran zu hindern, die Menschen zu erreichen. Damit haben sie den eigentlichen Prozess der Demokratie behindert.
Der Friedensnobelpreis dieses Jahres wird sicher dazu beitragen, die Dinge wieder zurechtzurücken.
Unglücklicherweise ist die Problematik im Fall der Atomwaffen noch viel größer als beim Klimawandel. Deswegen ist der Nuclear-Free Future Award im gleichen Maße bedeutsam im Hinblick darauf, die Situation zu verbessern, die ich hiermit beschreiben möchte.
Zunächst darf ich Sie daran erinnern, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen und der Völker auf dieser Erde aus dem Bauch heraus und aus ihrem Überlebensinstinkt heraus das Gefühl haben, dass wir die Kernwaffen loswerden müssen. Im tiefsten Inneren sind sie fest davon überzeugt, dass die Menschheit überleben muss.
Dessen ungeachtet ignorieren die Regierenden der Staaten mit Atomwaffen diese Mehrheit, und die meisten Medien verhalten sich so, als ob die Abschaffung der Nuklearwaffen nicht zur Debatte stünde, als ob sie eine Art von utopischer Traum sei, über den überhaupt zu debattieren sich nicht lohne.
Anders als manche ältere Menschen, die sich die entsetzliche Wirkung von Atomwaffen wenigstens ungefähr vorstellen können, haben die Regierenden auf dieser Welt keinerlei Vorstellung von dem Horror, den diese Waffen darstellen. Sie haben keine Ahnung davon, was es für ganze Familien, ganze Gemeinden bedeutet, einfach ausgelöscht zu werden. Vor kurzem musste ich feststellen, dass manche junge Menschen keine Ahnung haben, was eine Nuklearwaffe ist.
In der dünnen Höhenluft der internationalen Politik sprechen Politiker in hochtrabenden Worten von der lebensnotwendigen Rolle der Kernwaffen für die nationale Sicherheit. Diese Leute haben allerdings keine konkrete Vorstellung von dem, wovon sie reden. Es fehlt ihnen an Vorstellungskraft und Einfühlungs-vermögen, um wirklich zu begreifen, was es bedeutet, hilflos zusehen zu müssen, wie die eigene Mutter im Schutt ihres Hauses verbrennt. Oder sie haben schlichtweg keine Ahnung von den Abscheulichkeiten, die täglich überall auf dieser Erde passieren.
Das ist einer der Gründe dafür, dass es dem Nuklearkult - einem Konglomerat aus einigen führenden Politikern, den linientreuen Medien und dem miitärisch-industriellen Komplex - gelungen ist, der Welt vorzuspiegeln, Nuklearwaffen seien lebensnotwenig zur Erhaltung der menschlichen Werte und der Menschheit als solcher.
Der Nuclear-Free Future Award und Sie alle, die Sie heute hier anwesend sind, spielen eine entscheidende Rolle bei dem Versuch, all das zu verändern. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, die Problematik der Atomwaffen ins Bewusstsein der Menschen zu bringen - das allerdings ganz entgegen den Wünschen des Nuklearkultes.
Wir müssen nur einen Weg finden, die Meinung der Mehrheit der Menschen auf dieser Welt über Atomwaffen zum Ausdruck zu bringen. Wir müssen die Bedrohung in einer Weise beschreiben, die sich für die anschauliche Kommunikation eignet. Dann müssen wir die Menschen zum Handeln motivieren und sicherstellen, dass der Mehrheitswillen sich in internationaler Politik niederschlägt. Wir sollten immer wieder fordern, dass auch in der Weltpolitik Demokratie herrscht.
Die meisten Nationen treffen heutzutage ihre Entscheidungen in einem mehr oder minder demokratischen Prozess. Ich darf hier daran erinnern, dass viele ehemalige Kolonien des frühen 20. Jahrhunderts inzwischen demokratische Staaten geworden sind und dass die meisten von ihnen, wenn nicht sogar alle, für die Abschaffung der Kernwaffen sind. Es wäre nur folgerichtig, wenn die demokratische Willensbildung Staatsgrenzen überschreitet und auch weltweit vertreten wird. Insbesonders sollten weltweite Mehrheiten bei globalen Fragen wie dem Thema Kernwaffen eine maßgebliche Rolle spielen. Wenn das der Fall wäre, könnten wir in der Tat die Nuklearwaffen abschaffen.
Und hier kommen die Städte zum Zug.
Wir als Vertreter der Städte haben begonnen uns aufzulehnen! Wir fordern mit Nachdruck, dass die politischen Entscheidungsträger uns umgehend aus den Fesseln dieser überholten und irrelevanten politischen Machenschaften befreien. Wir sagen, dass Städte keine militärischen Ziele sind, und wir werden dies weiterhin mit zunehmender Dringlichkeit und Intensität verkünden: "Cities Are Not Targets"..
Die "2020 Vision Campaign" der Mayors for Peace ist sich bewusst, dass unsere Zivilisation inzwischen zu zerbrechlich und zu vernetzt ist, als dass sie mit den brutalen und groben Werkzeugen militärischer Gewalt beherrscht werden könnte. Die komplexen und diffizilen Probleme, die wir heute haben, können nur durch sorgsames Argumentieren, durch Verhandlungen und Kooperation gelöst werden. Langfristig müssen wir friedliche Mittel der Konfliktlösung finden. Kurzfristig müssen wir Krieg verhindern - und vor allem den Einsatz von Nuklearwaffen.
Bei der Vorstandssitzung der Bürgermeister für den Frieden Ende November 2007 in Florenz werden wir Phase III der 2020 Vision Campaign einläuten. Die Kampagne soll im Mai 2008 in Genf bei der Vorbereitungskonferenz für die nächste Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags formell verabschiedet werden.
Die Befreiung von der nuklearen Bedrohung ist ein Kampf, den die friedliebenden Kräfte gewinnen können und müssen. Dieser Kampf wird sogar weniger schwer sein als unser Kampf gegen Armut und Gewalt, gegen Klimawandel und Umweltzerstörung. Doch wir haben kaum eine Chance, die anderen Probleme zu lösen, wenn wir den Kampf gegen Atomwaffen nicht gewinnen.
Bitte halten Sie Augen und Ohren offen, was Gelegenheiten betrifft, sich der 2020 Vision Campaign anzuschließen. Wir werden Ihnen gerne die neuesten Informationen übermitteln und Wege aufzeigen, auf denen Sie aktiv werden können. Wie Sie vielleicht wissen, hat die UNO das Jahrzehnt von 2010 bis 2020 zum Jahrzehnt der Abrüstung erklärt. Wir tun nun unser Möglichstes, dass das Jahr 2010 eine anti-nukleare Bewegung von bisher nie da gewesenem Ausmaß erlebt.
Ich bin überzeugt, dass wir jetzt in die entscheidende Phase eintreten. Werden wir die Atomwaffen abschaffen? Oder werden die Atomwaffen uns eliminieren? Die Antwort darauf wird entscheiden, ob unsere Kinder und deren Kinder überhaupt noch eine Chance haben.
Ich will noch einmal der Franz-Moll Stiftung und Ihnen allen, die Sie heute abend hier anwesend sind, für ihr Engagement danken. Ich hoffe, dass wir alle gemeinsam daran arbeiten, zukünftigen Generationen das zu geben, was sie am meisten benötigen und ersehnen - eine sichere und nachhaltige Welt ohne Atomwaffen.
Ich danke Ihnen herzlich.
Aus dem Englischen von Flora von Meerscheidt
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