2002 Nuclear-Free Future Awards
Samstag, 5 Oktober
Palast der Architekten, St. Petersburg
Die Nuclear-Free Future Award Preisträger 2002 sind:
Widerstand: Mordechai Vanunu
Aufklärung: Ole Kopreitan
Lösungen: Helen Clark
Lebenswerk: Alexei Yablokov, Francis Macy
Special Recognition: The Bulletin of the Atomic Scientists
Wenn die Welt zum Fürchten ist, sucht man nicht die, die einem die Angst lehren wollen. Dann werden die willkommen geheißen, der uns die Sorgen nehmen und zur Entwarnung blasen. Die uns erzählen, daß alles gut wird. Sie klopfen bereits an und machen uns glauben, wir seien auf dem richtigen Weg. Und erzählen uns der nukleare Weg sei die Lösung. Atomkraftwerke statt Klima katastrophe!
Warum loben ernsthafte Wissenschaftler wie James Lovelock und Björn Lomborg die Kernkraft? Dem britischen Biologen und Philosophen Lovelock verdanken wir die berühmte Gaja-Theorie vom Erdball als lebenden Organismus, sowie die erste Warnung über den Zusammenhang von FZKW-Gasen und Ozonloch; der Statistiker Lomborg aus Dänemark war einmal, wie er selbst nicht versäumt, zu betonen, ein linker Greenpeace-Kämpfer. Was läßt vormals loyale Streiter für die Erde ihren Standpunkt verlassen, um plötzlich einer Technologie den Ton zu reden, die seit über einem halben Jahrhundert Mensch und Natur Tod und Zerstörung bringt?
"Die Angst der Menschen vor der Kernkraft", so schreibt James Lovelock, "ähnelt der früheren Angst vor einem mondbeschienenen Friedhof mit Werwölfen und Vampiren. Die Angst vor der Atomkraft ist verständlich, da die Menschen an den Horror des Atomkriegs denken. Doch diese Angst ist nicht gerechtfertigt: Atomreaktoren sind keine Atombomben. Was am Anfang eine gerechtfertigte Sorge um die Sicherheit war, entwickelte sich mit den Jahren zu einer pathologischen Furcht." Lovelock weiter: "Wir nennen den Abfall eines Kernkraftwerks Abfall und machen uns Sorgen um die sichere Lagerung. Ich frage mich, ob wir diesen Abfall nicht zum Hüter der schönen Plätze dieser Erde machen sollen. Wer würde es wagen, Kahlschlag in einem Wald zu verüben, auf dessen Boden strahlende Asche lagert?"
Lassen wir jetzt Björn Lomborg zu Wort kommen: "Kinder, die heute geboren werden - sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungsländern – leben länger und gesünder, haben mehr zu essen, eine bessere Ausbildung, einen höheren Lebensstandard, mehr Freizeit und sehr viel mehr Möglichkeiten – ohne daß die Umwelt zerstört wird. Und das ist eine wunderbare Welt." Diese wunderbare Welt braucht Energie. Und weil ein Gramm Uran-235 bei der Spaltung annähernd soviel Energie freisetzt wie drei Tonnen Kohle, kommt Lomborg in seiner Einschätzung der Atomenergie zu dem Schluß: "Es ist eine sehr saubere Energiequelle, die im Normalbetrieb die Umwelt praktisch nicht belastet. Sie erzeugt kein Kohlendioxid , und die radioaktive Strahlung, die von ihr ausgeht, ist sogar niedriger als die von Kohlekraftwerken." Wir können Lomborg und Lovelock kaum von ihrer Ansicht abbringen. Aber wir können jene ehren, deren Blick nicht getrübt ist: Mordecai Vanunu, Ole Kopreitan, Helen Clark, Alexei Yablokov, Francis Macy und die Autoren und Redakteure des Bulletin of the Atomic Scientists.
--Claus Biegert
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