Wo könnte eine Organisation namens "Der Planet der Hoffnung" beheimatet sein? In einer gesunden Landschaft
voll blühender Biogärten? In einer Mustergemeinde für erneuerbare Energie?
Die Organisation "Planeta Nadezhd" liegt in
einer verstrahlten, vergessenen Region, anderthalb tausend Kilometer südlich von Moskau, wo seit einem atomaren Unfall
in einer Atomwaffenfabrik (1957) die Menschen an Leukämie-,Lymphdrüsen- und anderen Krebsarten sterben.
Majak heißt
nach ihrer Zentralstadt jene Region – die von russischer Regierungsseite im Wortsinne totgeschwiegen wird.
Nadezhda Lvovna Kutepova, 40, deren nächste Verwandte Krebsopfer wurden, hat 1999 die Selbsthilfeorganisation
mit dem hoffnungsvollen Namen mitbegründete. Oberstes Ziel war und ist es vor allem, die Menschen in der "geschlossenen Stadt"
Majak über Strahlungsdosen, -gefahren und über ihre Rechte aufzuklären.
Der "Hoffnungsplanet" schuf ein Parlament der
Betroffenen, vermittelte Fachkenntnisse, trug den Protest bis auf den Roten Platz in Moskau, suchte und fand Unterstützung
im Ausland, setzte trotz staatlicher Blockaden qualifizierte Untersuchungen im Sperrgebiet durch.
Nadezdas Mitkämpferin, die Radiologin Natalia Manzurova, 59, ist eine der wenigen "Liquidatorinnen", die
ihren Einsatz in den verstrahlten Gebieten um Tschernobyl bis heute überlebt hat. Sie leidet an Schilddrüsenkrebs; an
ihrem Hals trägt sie das "Tschernobyl-Kollier", die typische Schilddrüsen-Operationsnarbe so vieler Liquidatorinnen. Aber
für Angst vor dem Tod hat sie keine Zeit. Es gilt, die Lebenden zu schützen. Ein Brief, den sie jüngst für "Planet der Hoffnung"
an Angela Merkel aufsetzte, hat möglicherweise den Erfolg, dass nicht, – wie geplant – deutscher Atommüll nach Majak
verfrachtet wird.
Manzurova muss mit ihren Kräften haushalten. Vertreterinnen von Women in Europa for a Common Future sagte sie: "Ich
weiß nicht, wie viele Jahre mir noch bleiben werden, aber ich möchte den Menschen von Tschernobyl berichten, mein Leben
lang! Das ist nicht nur mein Leben und meine Lebensgeschichte, sondern die Geschichte unseres ganzen Landes."
Ein besonderes Augenmerk der beiden Hoffnungs-Planetarierinnen gilt einer Gefahr, die im heutigen Russland
von offizieller Seite – wie üblich – verschwiegen wird. In der strahlenbelasteten Majak-Region trocknen Seen und Flüsse aus,
deren Sedimente hoch strahlenbelastet sind – wesentlich durch Einleitungen aus der örtlichen Wiederaufarbeitungsanlage.
Bisher waren die radioaktiven Partikel von Schlamm und Wasser bedeckt. Fast beunruhigender noch als diese Entwicklung ist
die "Beruhigung" durch offizielle Stellen: "Die Bevölkerung hat nichts zu fürchten, die Verantwortlichen haben die Situation
voll im Blick", sagte ein Offizieller Natalia Manzurova am Telefon, bevor er einhängte. Aber weder sie noch Nadezhda
Lvovna Kutepova werden sich abhängen lassen.
Experten sagen voraus, dass großflächige Wald- und Torfbrände, wie sie 2010 wochenlang die Weltpresse beschäftigten,
keineswegs einmalige Ereignisse gewesen sind. Der Klimawandel, der Wäldern und Torflagern viel ihrer natürlichen
Grundfeuchtigkeit entzieht und sie damit feueranfällig macht, setzt die GAUs von gestern wieder auf die Tagesordnung.
Die Welt ist bis in die letzten Winkel medial vernetzt, aber wir haben nur die Kutepovas und Manzurovas dieser Welt, um
uns zu warnen.
is presented by the
Franz Moll Foundation
for the Coming Generations
to
for putting truth and hope first,
courageously helping people across
the Chelyabinsk region understand
and adress their radioactive legacy